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„Jeder Zweite erkrankt heute an Krebs“

„Seien Sie sich bewusst, was Sie tagtäglich leisten!“, appellierte Kerstin Paradies an die Pflegenden. Die Vorstandssprecherin der KOK (Konferenz Onkologischer Kranken- und Kinderkrankenpflege), einer Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Krebsgesellschaft, war extra aus Hamburg angereist, um beim Onkologischen Pflegetag am Klinikum Memmingen über die schwierigen Bedingungen für Pflegende in der Onkologie zu sprechen. Foto: Eva Maria Häfele/Pressestelle Klinikum Memmingen

 

Die Pflege krebskranker Menschen wird zunehmend anspruchsvoller. Denn immer weniger Pflegekräfte versorgen immer mehr Krebspatienten, die zudem älter und chronisch kränker werden. Daneben steigt der finanzielle Druck in den Kliniken. Wie diese Anforderungen gemeistert werden können, zeigten namhafte Referenten aus Deutschland und der Schweiz beim 8. Onkologischen Pflegetag im Klinikum Memmingen.

„Seien Sie sich bewusst, was Sie tagtäglich leisten!“, appellierte Kerstin Paradies an die rund 70 Teilnehmer – überwiegend Pflegende aus dem Klinikum Memmingen sowie aus umliegenden Kliniken und Praxen. Paradies kam als Vorstandssprecherin der KOK (Konferenz Onkologischer Kranken- und Kinderkrankenpflege), einer Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Krebsgesellschaft, extra aus Hamburg angereist, um vor den Anwesenden zu sprechen.

„Mehr Patienten – mehr Aufgaben“, fasste es die hochkarätige Rednerin zusammen: „Jeder Zweite erkrankt heute an Krebs. Dabei bringen Tumorkranke wegen ihres erhöhten Alters immer öfter auch Begleiterkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Demenz mit.“ Zudem sinke die Verweildauer der Patienten, der ökonomische Druck auf die Kliniken steige und immer neue, komplexere Therapiepläne riefen immer neue Nebenwirkungen hervor: „Und wir können nur gut beraten, wenn wir über Therapie und Nebenwirkungen Bescheid wissen.“

Zu der medizinischen komme die psychosoziale Beratung der Krebskranken: „Sie sind am engsten am Patienten dran. Sie begleiten die Erkrankten über einen langen Zeitraum, Sie trösten und motivieren.“ Dabei sei der Stresspegel in den Kliniken hoch: „Die ständige Anspannung macht sich bei den Pflegenden gesundheitlich bemerkbar – Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Burnout“, zählte Paradies auf. Hinzu kämen lange Arbeitszeiten, Schichtdienst, ein geringes Gehalt, begrenzte Karrierechancen und eine erschwerte Work-Life-Balance.

„Politiker und Krankenkassen wissen nicht, wie die Realität aussieht. Und die Pflege hat in den vergangenen Jahren versäumt, sich zu positionieren“, betonte die KOK-Sprecherin. „Deswegen müssen wir uns besser aufstellen und mehr einfordern.“ Denn laut Paradies gibt es einen Zusammenhang zwischen Pflegebetreuung und Therapieerfolg beziehungsweise -misserfolg: „Studien haben gezeigt, dass eine Steigerung von gut ausgebildetem Pflegepersonal höhere Therapieerfolge und eine höhere Kosteneffizienz ergibt.“ Allerdings fehle es auch an Nachwuchs: „Schon im Jahr 2020 rechnet man europaweit mit einem Defizit von 590.000 Pflegekräften.“ Dabei bräuchten aber immer mehr Krebs-Überlebende mit Langzeitfolgen die erhöhte Aufmerksamkeit der Pflegenden: „Sie leiden beispielsweise unter psychosozialen Folgeproblemen wie Schlafstörungen, kognitiven Funktionseinschränkungen oder der chronischen Müdigkeit, die oft ein lebenslanger Begleiter ist.“ Gerade die Fatigue (chronische Müdigkeit) mache vielen sehr zu schaffen: „Manche sagen, sie hätten sich lieber einen Arm oder ein Bein gebrochen als unter dieser Müdigkeit zu leiden. Das wäre wenigstens für andere sichtbar.“

Tiefer in das Thema Fatigue stieg Dr. Erhard Schneider aus Wangen unter dem Thema „Fatigue, wenig beachtet – selten behandelt“ ein. Der niedergelassene Arzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie beschrieb Symptome wie Erschöpfung ohne vorherige Anstrengung, Schlaf, der zu keiner Erholung führt oder verminderte Konzentrationsfähigkeit. „Es gibt Tage, wo ich nur weine, weil ich so schwach bin“, zitierte Schneider eine Betroffene. Während der Tumortherapie litten fast alle Patienten an Fatigue, nach beendeter Tumortherapie seien es immer noch rund 30 Prozent. Um der chronischen Müdigkeit vorzubeugen sei es wichtig, auf genügend Schlaf zu achten, Stress zu vermeiden und zu versuchen, sich leicht körperlich zu betätigen. „Akzeptieren Sie Ihre Grenzen, unterfordern Sie sich aber auch nicht“, riet der Psychiater.

Auch Pflegefachfrau Sarah Stoll aus St. Gallen sprach über die schwierige Situation von Langzeit-Überlebenden: „Was passiert nach abgeschlossener Krebserkrankung mit den Betroffenen? Wohin sollen sie sich mit ihren Fragen wenden?“ Neben den Langzeitfolgen ihrer Erkrankung litten sie oft unter Ängsten, Depressionen und Isolation. „Manchmal ist meine Seele so traurig, da geht einfach nichts mehr in Ordnung“, zitierte Stoll eine 49-jährige Frau nach Brustkrebs und ein 50-Jähriger sagte: „Wie soll ich im Job ganze Teams führen, wenn ich schon bei der Frage, wie es mir geht, weinen muss?“

Einen hohen Leidensdruck verspüren auch Patienten, die während oder nach einer tumorbedingten Strahlentherapie unter Hautreaktionen leiden, wie Oberarzt Dr. Matthias Hautmannn vom Universitätsklinikum Regensburg erklärte: Juckreiz, akneartiger Hautausschlag, Trockenrisse an den Fingern oder Nagelbettentzündungen seien typische Symptome. Hier würden oft Salbenverbände mit Dexpanthenol oder medizinisch zugelassene Pflegeöle helfen. Um die Haut vorbeugend zu schützen sollten Strahlenpatienten auf parfümierte Pflegeprodukte, Deodorants und Puder verzichten, ebenso auf synthetische und reibende Kleidung sowie einen hohen Sonnenschutzfaktor verwenden. Auch eine positive Einstellung sei wichtig: „Sie müssen den Patienten über mögliche Hautreaktionen aufklären und ihn positiv motivieren.“ Dann sei schon viel gewonnen. <<

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