Fernwärme statt klassischer ölbefeuerter Bauheizung

Bereits jetzt wird auf der Großbaustelle Fernwärme-Infrastruktur genutzt, die auch langfristig Teil des Energiekonzepts des Klinikums sein wird

Die Fernwärmeversorgung für die Bauheizung des neuen Klinikums Memmingen ist planmäßig zum 1. Oktober 2026 in Betrieb gegangen. Das Besondere: Statt einer klassischen, temporären Ölheizung wird die Baustelle bereits während der Bauphase über das Fernwärmenetz der e-con AG versorgt. Die Wärme stammt aus dem Heizwerk Memmingen Nord.

„Mit der planmäßigen Inbetriebnahme der Bauheizung erreichen wir einen wichtigen Meilenstein. Die Besonderheit liegt für uns darin, dass wir nicht erst im späteren Klinikbetrieb, sondern schon während der Bauphase auf Fernwärme setzen können. Das reduziert den Heizöleinsatz deutlich und schafft gleichzeitig einen wirtschaftlichen Vorteil“, sagt Andreas Müller, Geschäftsführender Gesellschafter der Alois-Müller-Gruppe.

Fernwärme statt klassischer Ölheizung

Damit unterscheidet sich das Projekt deutlich von einer klassischen Baustellenversorgung: Für den Klinikneubau muss keine separate Ölheizung als zentrale Wärmequelle für die Bauphase eingesetzt werden. Stattdessen wird bereits heute die Fernwärmeinfrastruktur genutzt, die auch langfristig Teil des Energiekonzepts des Klinikums sein wird.

„Wir können die Infrastruktur, die für den späteren Klinikbetrieb vorgesehen ist, bereits heute sinnvoll nutzen. Das ist technisch effizient und vermeidet eine separate Heizöllösung für die Bauphase“, erklärt Peter Waizenegger von der e-con AG.

Vorgesehen ist die Fernwärmeversorgung für die Heizperioden 2026/27 und 2027/28. Der Wärmebedarf der Bauheizung liegt bei rund 4.400 Megawattstunden pro Heizperiode. Gegenüber einer Versorgung mit Heizöl können dadurch rund 600.000 Liter Heizöl je Heizperiode eingespart werden. Gleichzeitig reduzieren sich die CO₂-Emissionen nach der projektbezogenen Berechnung um rund 1.240 Tonnen pro Jahr beziehungsweise etwa 78 Prozent.

Neben der CO₂-Einsparung bringt die Fernwärmeversorgung auch einen wirtschaftlichen Vorteil. Insbesondere vor dem Hintergrund der aktuell hohen Heizölpreise werden bereits während der Bauphase erhebliche Kosten für die Wärmeversorgung vermieden. Damit zahlt sich die vorhandene Fernwärmeinfrastruktur schon vor der späteren Inbetriebnahme des Klinikums aus.

Das Wärmenetz entlang der Europastraße und der Dr.-Karl-Lenz-Straße ist bereits vollständig in Betrieb. Über dieses Netz gelangt die Wärme aus dem Heizwerk Memmingen Nord bis zum Klinikstandort und wird dort für die Bauheizung bereitgestellt.

Wirtschaftlicher Vorteil bereits in der Bauphase

Die Versorgung über das Fernwärmenetz wirkt sich nicht nur auf den Heizölverbrauch und die CO₂-Emissionen aus. Sie bietet auch wirtschaftliche Vorteile gegenüber einer konventionellen Bauheizung mit Heizöl.

Bei einem rechnerisch vermiedenen Heizölverbrauch von rund 600.000 Litern pro Heizperiode fallen insbesondere die derzeit hohen Heizölkosten stark ins Gewicht. Dadurch können bereits während der Bauphase erhebliche Kosten für die Wärmeversorgung eingespart werden.

Fernwärme sorgt künftig für zusätzliche Versorgungssicherheit

Der Fernwärmeanschluss ist auch für den späteren Betrieb des Klinikums vorgesehen. Die vereinbarte Anschlussleistung beträgt 3.870 kW, im Regelbetrieb wird mit einer bezogenen Leistung von rund 1.200 kW gerechnet.

Das Klinikum verfügt zusätzlich über eine eigene Energiezentrale. Im späteren Betrieb übernimmt die Fernwärme vor allem zwei Aufgaben: Sie deckt Leistungsspitzen ab und dient gleichzeitig als zusätzliche Absicherung der Wärmeversorgung.

Bei einem Ausfall der klinikeigenen Wärmeerzeugung kann die Fernwärme die Wärmeversorgung des Klinikums vollständig übernehmen. Dadurch entsteht eine hohe Redundanz im Versorgungskonzept – ein besonders wichtiger Faktor für einen Klinikbetrieb, der auf eine verlässliche Wärmeversorgung angewiesen ist.

„Für uns ist entscheidend, dass die Energieversorgung des neuen Klinikums möglichst robust aufgebaut ist. Die Fernwärme ergänzt unsere eigene Energiezentrale, übernimmt künftig Leistungsspitzen und kann im Bedarfsfall die Wärmeversorgung vollständig absichern. Damit schaffen wir ein hohes Maß an Versorgungssicherheit“, sagt Maximilian Mai, Vorstand des Klinikums Memmingen.

Auch aus Sicht der Stadt Memmingen hat das Projekt eine besondere Bedeutung.

„Mit dem Klinikneubau entsteht eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte unserer Stadt. Dass die Fernwärme bereits in der Bauphase genutzt wird und später zusätzlich zur Versorgungssicherheit des Klinikums beiträgt, zeigt den langfristigen Nutzen der aufgebauten Wärmeinfrastruktur für den Standort Memmingen“, sagt Oberbürgermeister Jan Rothenbacher.

Die wichtigsten Projektdaten auf einen Blick

  • Inbetriebnahme der Bauheizung: planmäßig zum 1. Oktober 2026
  • Einsatz: Heizperioden 2026/27 und 2027/28
  • Wärmequelle: Heizwerk Memmingen Nord der e-con AG
  • Besonderheit: Fernwärme statt klassischer ölbefeuerter Bauheizung
  • Wärmebedarf Bauheizung: ca. 4.400 MWh je Heizperiode
  • Eingespartes Heizöl: ca. 600.000 Liter je Heizperiode
  • CO₂-Einsparung gegenüber Heizölversorgung: ca. 1.240 t pro Jahr bzw. rund 78 %
  • Wirtschaftlicher Vorteil: geringere Kosten gegenüber der betrachteten Heizölversorgung
  • Fernwärmeanschluss Klinikum: 3.870 kW Anschlussleistung
  • Voraussichtliche Bezugsleistung im Regelbetrieb: ca. 1.200 kW
  • Künftige Funktion der Fernwärme: Abdeckung von Leistungsspitzen sowie vollständige Absicherung der Wärmeversorgung bei Ausfall der klinikeigenen Erzeugung

 

(Text: Lara Anwander/e-con; Foto: Stefan Bartenschlager, InsideAll)