Wenn die Kinderlunge pfeift
Kinderklinik-Chefarzt Prof. Dr. Frommhold informierte anlässlich des Welt-Asthma-Tages

Kinderklinik-Chefarzt Prof. Dr. David Frommhold klärte anlässlich des Welt-Asthma-Tages über die Ursachen und Therapiemöglichkeiten bei Asthma auf. Foto: Koch/Klinikum Memmingen
Asthma bronchiale ist die häufigste chronische Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Zwischen fünf und zehn Prozent der Mädchen und Jungen sind davon betroffen. Anlässlich des Welt-Asthma-Tages (5. Mai) sprach Prof. Dr. David Frommhold, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Memmingen, über die Ursachen und Therapien dieser entzündlichen Atemwegserkrankung.
Was sind die Ursachen einer Asthmaerkrankung?
Prof. Dr. David Frommhold: Asthma kann genetisch bedingt sein. Auch schwere Virusinfektionen im Kleinkindalter, beispielsweise verursacht durch das sogenannte Respiratory-Syncytial-Virus, kurz RS-Virus, können die Lunge der Säuglinge angreifen und später zu Asthma führen. Allergien spielen bei der Entstehung von Asthma ebenfalls eine Rolle. Und es gibt einen wichtigen Risikofaktor, der vermeidbar ist: Eltern, die rauchen.
Woran erkenne ich, dass mein Kind an Asthma leidet?
Prof. Frommhold: Eine Asthmaerkrankung kann lange Zeit unentdeckt bleiben. Kinder, die unter einem Belastungsasthma leiden, haben beispielsweise nur beim Sporttreiben Probleme. Bei einem allergischen Asthma wiederum kommt es zu Anfällen, wenn das Kind mit dem verantwortlichen Allergen in Kontakt gekommen ist. Das können beispielsweise Tierhaare, Hausstaubmilben oder Pollen sein. Grundsätzlich macht sich Asthma durch Atemnot, Husten und eine leicht pfeifende Ausatmung bemerkbar, die durch verengte Bronchien entsteht.
Was kann ich tun, wenn ich die Vermutung habe, dass mein Kind an einer Asthmaerkrankung leidet?
Prof. Frommhold: Für eine Diagnosestellung sucht man am besten seinen Kinderarzt auf. Oft kann er durch eine genaue Schilderung der Symptome eine erste Verdachtsdiagnose stellen. Er wird das Kind abhören, die Atemanstrengung beurteilen und die Sauerstoffsättigung messen. Mit Hilfe eines kleinen Lungenfunktionstests kann er sehen, ob die Lunge des Kindes verengt ist.
Wann kommt die Kinderklinik ins Spiel?
Prof. Frommhold: In der Klinik können wir durch einen großen Lungenfunktionstext im sogenannten Body-Plethysmographen noch genauere Messungen zu verschiedenen Lungen- und Atemparametern vornehmen. Dabei sitzt der Patient in einer luftdichten Kammer und atmet über ein Mundstück in einen separaten Raum. In der Kammer entstehen atmungsbedingt Druckschwankungen. Daraus wird beispielsweise der Druck in den Lungenbläschen ermittelt. Und natürlich kommen wir bei jeder Art von Notfall ins Spiel – sei es akute Atemnot, ein schwerer Asthmaanfall oder nicht nachlassende Symptome.
Was gibt es für Medikamente gegen Asthma?
Prof. Frommhold: Es gibt zwei Arten von Medikamenten. Zum einen die sogenannten `Feuerlöscher´. Das sind Asthmasprays, die bei akuter Atemnot die Lunge weiten. Daneben gibt es als Dauertherapie die sogenannten `Brandschutz´-Medikamente. Das sind meist Cortison-Sprays, die auch in beschwerdefreien Momenten – also dauerhaft – angewendet werden. Sie unterdrücken die Entzündungsbereitschaft der Atemwege und wirken damit gegen die Ursachen der Asthmaerkrankung – also gegen die Schwellung, Schleimbildung und chronische Entzündung der Bronchien.
Haben diese Cortison-Sprays starke Nebenwirkungen?
Prof. Frommhold: Cortison hat einen schlechten Ruf. Allerdings gibt es für Kinder sehr gut verträgliche Cortison-Sprays. Wichtig sind beim Inhalieren die richtige Dosierung sowie die richtige Technik. Dann kann man vermeiden, dass das Cortison in den Blutkreislauf gelangt und Nebenwirkungen verursacht.
Für asthmakranke Kinder und deren Eltern bietet das Klinikum Memmingen eine ambulante Schulung an, in der die Betroffenen mehr über die Erkrankung erfahren und das Verhalten in Notfallsituationen üben können. Nähere Informationen zur Asthmaschulung gibt es auf unserer Homepage und bei Asthmatrainerin Bianca Hefele (Telefon: 08331/960499; E-Mail: bianca.hefele@klinikum-memmingen.de)